Willkommen auf "Liberate Diversity"

Laut FAO sind in den vergangenen 100 Jahren 75% der landwirtschaftlichen Vielfalt unwiederbringlich verloren gegangen. Die EU Mitgliedsstaaten haben das Ziel gefasst, bis 2010 den Verlust von Biodiversität zu stoppen – dieses Ziel ist auch in den relevanten Strategien in Österreich verankert. Die biologische Vielfalt in Form von Pflanzensorten und Nutztierrassen ist Teil dieser Biodiversität. International herrscht Übereinstimmung darüber, dass die landwirtschaftliche Vielfalt im Rahmen von Anbau und Nutzung am besten erhalten werden kann – „essen, was man retten will“. Landwirtschaftliche und gärtnerische Betriebe, aber auch HausgärtnerInnen, haben daher eine wichtige Rolle in der Erhaltung und Weiterentwicklung der Vielfalt lokal angepasster und genutzter Sorten. Die Grundlage für all diese Aktivitäten ist das Saatgut. Saatgut ist ein wertvolles Kulturgut und im Laufe von Jahrtausenden als Gemeingut entstanden. Saatgut ist aber heute auch ein wichtiges Wirtschaftsgut, das zahlreichen Regulierungen auf EU- und nationaler Ebene unterliegt. Internationale Konzerne arbeiten daran, Saatgut privatrechtlich (Sortenrecht, Patentrecht) aber auch technisch (Hybridtechnik, Grüne Gentechnik) unter ihre wirtschaftliche Kontrolle zu bringen. Seit 2008 arbeitet die EU-Kommission an einer Revision des Europäischen Saatgutverkehrsrechts. Dieses hat unmittelbare Auswirkungen auf alle in Landwirtschaft und Gartenbau tätigen Menschen und, über die auf den Markt kommenden Produkte, auch auf die KonsumentInnen. Zivilgesellschaftliche Einrichtungen, wie NGOs oder bäuerliche Interessensvertretungen und KonsumentInnenorganisationen, haben daher großes Interesse daran, ihre Positionen in die Neugestaltung des EU-Saatgutverkehrsrechts einzubringen. Im Vergleich zu anderen Akteuren am Saatgutmarkt wie z.B. großen Saatgutunternehmen ist es für diese Gruppe aber verhältnismäßig schwieriger, da entsprechende Lobbyingstrukturen fehlen. Ein Schlüssel ist sicherlich das öffentliche Bewusstsein über die Bedeutung des Saatgutverkehrsrechts für die europäische Landwirtschaft und in weiterer Folge die Ernährung der gesamten Bevölkerung. Vor diesem Hintergrund soll die Tagung die zivilgesellschaftlichen Organisationen in Europa, die sich um die Erhaltung der landwirtschaftlichen Biodiversität bemühen, zu einem Austausch und Meinungsbildungsprozess zusammen bringen. Die Positionen der EU, der nationalen Regierungen und der Zivilgesellschaft sollen diskutiert, eigene Positionen definiert, eine Deklaration und Stellungnahmen ausgearbeitet und Lobbying-Strategien entwickelt werden. Die Öffentlichkeit soll durch Aktionen und Presseinformationen für das Thema sensibilisiert werden. 2010 ist das Internationale Jahr der Biodiversität. Innerhalb der EU, aber auch auf der globalen Ebene, werden wichtige Entscheidungen zum Thema Biodiversität fallen, die die Zivilgesellschaft gerne mitgestalten möchte.